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"Kalium statt ……" - Es bleibt dem Leser überlassen, den Satz
reimend zu vervollständigen. Aber eine kleine Hilfe will ich doch
geben: in der Schüßlerschen Biochemie gilt die Nummer 5 der
Mineralsalze, Kalium phosphoricum, seit 137 Jahren als das
klassische Mittel für die Nerven. In seiner kleinen Broschüre "Eine
abgekürzte Therapie", mit der er seine Biochemie erstmals der
Öffentlichkeit vorstellte, schrieb Dr. Schüßler 1874
"Das phosphorsaure Kali heilt
Depressionszustände des Gemüts und des Körpers"
und weiter
"Eine Störung in der
Bewegung seiner Moleküle hat zur Folge im Denkzellengebiet:
Zaghaftigkeit, Ängstlichkeit,
Schreckhaftigkeit, Weinerlichkeit, Heimweh, Argwohn,
Platzangst, Gedächtnisschwäche
und ähnliche Verstimmungen."
Schüßler war ein exzellenter Beobachter. Nahezu alle seine
beschriebenen Anwendungsgebiete, so auch diese, sind durch moderne
naturwissenschaftliche Erkenntnisse zur Physiologie bestätigt.
Heute wissen wir, dass im Inneren der Nervenzellen die
Kaliumkonzentration etwa vierzig Mal so hoch ist, wie in der
Umgebungsflüssigkeit. Nun neigen alle Mineralien dazu, einen
Konzentrationsausgleich herzustellen - sofern sie die Grenzmembran
überwinden können. Können sie das nicht, schaffen sie den
Konzentrationsausgleich indem sie Wasser durch die Membran zu sich
hineinziehen.
Das elektrisch positiv geladene Kalium-Kation hat mit dem Überwinden
der Nerven-Membran kein Problem. Sie hat kleine Kanäle, durch die
Kalium bequem ein- und ausschlüpfen kann. Nein - könnte, wäre es
nicht "verheiratet" mit einem elektrisch negativ geladenem
Eiweiß-Anion, das wiederum zu dick ist, um durch den Kalium-Kanal zu
gelangen. Das bremst den Eifer unseres Kaliums jedoch nicht aus. Es
verlässt die Nervenzelle, kommt aber nicht weit, weil sein Anhängsel
nicht folgen kann. Kalium hängt nun an der Außenwand der Zelle, sein
Ehe-Gessponst an der Innenwand, und weil der eine positiv, der
andere negativ geladen ist, entsteht ein elektrisches
Spannungsgefälle, das wir das Ruhepotenzial nennen. Das ist wiederum
dafür verantwortlich, dass die Nervenzelle nicht jeden Reiz, der
von den Nachbarzellen kommt, auch aufnimmt und weiterleitet, dass
sie auch einmal "Nein!" sagen kann zu den vielen tausend Signalen,
die ständig auf sie abgefeuert werden. Ohne das Ruhepotenzial würde
unser Nervensystem im Chaos versinken. Und je geringer die
Kalium-Konzentration in den Nervenzellen, desto schwächer das
Ruhepotenzial, desto anfälliger die Nerven und die Psyche.
Er hat also klug gefolgert, unser Dr. Schüßler, den die moderne
Medizin gerne in die Ecke der "man-muss-dran-glauben-Medizin"
stellen möchte. Es lohnt sich schon, um von den
nebenwirkungsreichen und die Persönlichkeit verändernden modernen
Psychopharmaka wegzukommen, einmal einen Versuch mit dem
Schüßlersalz Nr. 5 (Kalium phosphoricum D6) zu machen.
Nun dürfte es eigentlich gar keinen Kalium-Mangel geben, denn nahezu
alle Pflanzen sind reich an Kalium. Alkali, das Gegenteil von Säure,
ist ein Wort aus dem Arabischern und heißt Pflanzen-Asche. Manchmal
kann es schon genügen, die Nerven zu stabilisieren, wenn man das ins
Ungleichgewicht geratene Verhältnis von pflanzlichen zu tierischen
Produkten in der Nahrung wieder ins Lot bringt.
Ein weiteres Problem bereitet unser versalzener Geschmackssinn.
Kalium ist der natürliche Gegenspieler zum Natrium, und jeder weiß
zwar, missachtet es aber sträflich, dass wir uns ein Übermaß an
Kochsalz, also Natriumchlorid, zuführen. Damit gerät Kalium relativ
ins Defizit. Selbst bei normalen Blutbefunden kann die gestörte
Relation zum Natrium Kalium-Mangelzeichen verursachen.
Und ein Drittes: nahezu alle Entwässerungsmittel, die heute zur
Behandlung des Hochdrucks und der Herzschwäche eingesetzt werden,
schwemmen Kalium aus dem Körper aus. Gerade diese Erkrankungen
werden aber häufig von Rhythmusstörungen des Herzen begleitet, die
wiederum durch einen Kalium-Mangel verstärkt werden können. Klar,
wenn doch das Ruhepotenzial sinkt, ist das Reizleitungssystem des
Herzens anfälliger für Störimpulse. Setzt das Herz einen Schlag aus,
liegt das nicht daran, dass ein Nervenimpuls fehlt, sondern dass
einer zu früh kam, so früh, dass das Herz noch gar nicht wieder in
Bereitschaft für den nächsten Schlag war. Eine Extrasystole nennt
man das. Viele davon lassen sich vermeiden, wenn die
Kalium-Konzentration wieder stimmig wird.
Fehlt im Zell-Inneren Kalium, klappt die Zelle nicht etwa in sich
zusammen, sondern sie wird mit einem anderen Kation aufgefüllt, das
hier jedoch denkbar unerwünscht ist, nämlich dem aus anderen
Verbindungen frei gesetztem Wasserstoff-Ion. Das aber ist der Träger
von Säure, und Säure, die sich im Zell-Inneren versteckt, wird von
den Messfühlern der Niere nicht erkannt und nicht ausgeschieden. Ein
Zuviel an Säure im Inneren der Zelle kann aber bei der Teilung der
Gene zu Mutationen führen, schlimmsten Falls also auch Krebs
erzeugen.
Aus Angst vor der zur Modediagnose geratenen "Übersäuerung"
schlucken ungezählte Patienten regelmäßig eines der zahlreichen
Entsäuerungs-Pülverchen, die fast alle auf dem preiswerten und
einfach zu verarbeitendem Natriumhydrogenkarbonat
(Natriumbikarbonat) aufgebaut sind. Damit aber wird das normale
Kalium:Natrium-Verhältnis im Blut noch mehr verschoben, Die
Kalium-Moleküle, die im Blut krampfhaft versuchen, diese Relation in
der Norm zu halten, können nicht an ihren angestammten Platz in der
Zelle gelangen, verjagen dort auch keine Säure. Man hat den Teufel
mit Beelzebub ausgetrieben. Eine wirksame "Entsäuerung" muss also
immer mit Kalium beginnen.
Das richtige Kalium-Natrium-Verhältnis im Blut ist auch für den
Wasserhaushalt verantwortlich. Natriumchlorid, unser Kochsalz,
bindet Wasser im Körper, und zwar 9 Gramm einen Liter Wasser.
Schwimmt aber ein Liter mit Salz und Wasser verdünntes Blut mehr in
den Adern herum als im Bauplan der Natur vorgesehen, dann ist der
Druck, der von innen auf die Gefäßwände drückt, auch höher. Das
Blutdruckmessgerät erzeugt Panik. Erste den Blutdruck senkende
Maßnahme des Hausarztes ist darum auch ein Diuretikum, das Natrium
über die Niere ausleitet und damit auch Wasser.
In der biochemischen Literatur ist zu diesem Problem viel
Missverständliches und Missverstandenes zu lesen. Dabei ist es ganz
einfach: will ich Wasser im Körper festhalten, z.B. beim
Fließschnupfen, Tränenfluss oder übermäßigem Schweiß, dann ist die
Nr. 8 (Natrium chloratum D6) angezeigt. Will ich hingegen Wasser aus
dem Körper vertreiben, z.B. bei Oedemen, Herzmuskelschwäche oder
hohem Blutdruck, dann kommt die Nr. 4 (Kalium chloratum D6) zum
Zuge. Das gilt auch für Schleimhautschwellungen oder Brandblasen.
Unter den 12 Funktionsmitteln nach Schüßler finden wir dann auch
noch die Nr. 6 (Kalium sulfuricum). Hier dürfte die Hauptwirkung
wohl ehr auf das anhängende Anion Schwefel (Sulfur) zurückzuführen
sein. Die Deckzellen der Haut und die Hautanhanggebilde (Nägel,
Haare) sind sehr schwefelhaltig. Wer als Kind sein ausgezupftes Haar
in die Adventskerze gehalten hat, kennt den Schwefelgestank. Und wer
dem geradenwegs aus der heißen Hölle kommenden Leibhaftigen schon
einmal begegnet ist, weiß dass der Pech- und Schwefelgestank von
seinem Bockhuf kommen muss. Und wer das Glück hatte, ihm noch nie zu
begegnen, muss seine Nase nur in eine Hufbeschlagsschmiede stecken,
dann ist er überzeugt. Kalium sulfuricum ist darum auch das
klassische Schüßlersalz für alle abschuppenden Krankheiten der Haut:
Scharlach, Masern, Röteln, Schuppenflechte, Neurodermitis usw.
Nicht selten erreichen mich Hilferufe wegen eines erhöhten
Kalium-Spiegels im Blut. In den meisten Fällen ist das harmlos und
durch Fehler bei der Blutentnahme oder der Behandlung der Blutprobe
entstanden. Ich erinnere daran, dass im Inneren der Zellen, nicht
nur der Nervenzellen, die Kalium-Konzentration sehr viel höher ist
als in der Umgebung. Zerplatzen bei der Blutentnahme durch die
Venenstauung oder eine zu dünne Kanüle nur wenige rote
Blutkörperchen, geben sie ihr Kalium ins Serum ab und die
Untersuchung fällt entsprechend erhöht aus. Im Zweifelsfall also
gelassen bleiben und bei Gelegenheit kontrollieren lassen.
Diese Gelassenheit fehlt Ihnen? Hier schließt sich der Kreis: Kalium
statt…
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