Mitglieder-Rundbrief 2002 12 23
Liebe Mitglieder,
dem Rennsport geht es nicht gut, das merken wir an allen Enden. Höhere
Kosten, sinkende Rennpreise, fallende Umsätze, verschenkte statt verkaufte
Pferde ........
Es wird auch im kommenden Jahr kaum besser werden. Die kränkelnde
Wirtschaftslage schlägt erfahrungsgemäß auf den Rennsport
doppelt durch. Wer gestern noch hoffnungsvoll Pferde kaufte, tritt heute
als Verkäufer auf. Die patriarchalischen Firmenchefs, die ihr Gestüt
unterhielten, werden immer weniger. Bankbeiräte führen die Aufsicht
in den Firmen und haben eher die Dividende und die Investitionen im Blick,
nicht so sehr das Hobby des Hausherren.
Das schlägt auch auf die Strukturen des Rennsportes durch. Die
Zahl der herrschaftlich finanzierten und von Profis betreuten Pferde wird
immer kleiner. Verständlich, das Trainer und Reiter Risiken für
ihre Existenz sehen. Im Gefüge des Rennsportes wird dieser Pferdeschwund
aufgefangen durch nicht gar so gut betuchte, aber von der Liebe zum Pferd
und zur Sache getriebene Enthusiasten, die ihre Pferde selbst reiten und
selbst trainieren wollen. Verständlich, dass das die Profis im Sport
nicht gerade zu Begeisterungsstürmen hinreißt.
Wenn wir aber diese Entwicklung ignorieren oder gar ausbremsen, dann
wird die ohnehin kleine Nische, die der Rennsport ausfüllt, noch kleiner.
Über 300 000 Pferde stehen in Deutschland, knapp ein Prozent davon
sind Rennpferde. Warum gelingt es nicht, die vielen Pferdefreunde landauf,
landab für die schnellen Galopper zu begeistern? Es ist nun 'mal nicht
jedermans Sache, sein Pferd in fremde Hände zu geben, um in der Zeitung
zu lesen, wo es am Wochenende gelaufen ist - und regelmäßig
das Verrechnungskonto aufzufüllen. Wir werden die winzige Nische nur
ausweiten, wenn wir uns vermehrt jenen öffnen, die den unmittelbaren
Kontakt zu ihrem Pferd behalten wollen.
Von einer solchen Öffnung profitiert auch das Profi-Lager, nicht
nur, dass der Newcomer als potentieller Pferdekäufer auftritt. Wenn
er sein Herz erst an den Sport verloren hat, wird er ihm treu bleiben,
auch wenn sein Beruf ihm die Zeit nicht mehr lässt, wenn seine Gicht
ihn nicht mehr auf's Pferd lässt, wenn sein Nachbar den Misthaufen
nicht mehr neben dem Rosenbeet duldet. Dann wird er Kunde des Trainers,
Kunde des Jockeys. Oder wie so viele ehemalige Amateure selbst Jockey.
Fast das Ende des Amateursportes
Sich dieser Entwicklung versperren, heißt rückwärts
rudern. Und darum ist es auch gut, dass sich die Delegiertenversammlung
des Direktoriums dem Versuch verweigert hat, den Amateursport zu Grunde
zu richten. Im Trainer- und Jockeyverband entstand die Idee, Amateure nur
in offenen Rennen zuzulassen, wenn sie 50 Siege der Klasse A erreicht haben,
in weiser Selbstbeschränkung wurde das dann intern auf 20 A-Siege
heruntergefahren, und in heißer Diskussion in der Technischen Kommission
schließlich auf 5 A-Siege begrenzt, geltend für Rennvereine,
bei denen auch Grupperennen stattfinden, dort allerdings immer. Ehrlicherweise
wurde das anfangs beschworene Sicherheitsargument fallen gelassen und offen
von der Existenzfrage gesprochen. Es wäre wohl auch schwer begreifbar
zu machen, dass in Krefeld andere Sicherheitsbedingungen nötig sind
als in Köln. Und fairerweise muss hinzugefügt werden, dass dieser
fatale Antrag auch im Trainer- und Jockeyverband nicht unumstritten war.
Diese Klausel wäre das Ende des Amateursportes gewesen, denn wo
soll ein junger Amateur seine A-Siege zusammenreiten, wenn er in den meisten
A-Rennen nicht starten darf. Der Antrag wurde abgelehnt, als Kompromiss
wurde dagegen in Ziffer 238 die Zahl der Rennen, die in B-, Amateur- oder
Halbblutrennen absolviert sein müssen von 10 auf 15 Ritte erhöht.
Ich denke, damit kann man leben.
Amateurwinterchampionat in Dortmund
Verschlimmert wurde die Situation, weil der Dortmunder Rennverein,
der mit unserem Sponsoring jedes Jahr das Winter-Amateurchampionat durchführte,
im Ausschreibungsheft für Januar und Februar kein einziges Amateurrennen
mehr ausschrieb. 2002 waren es noch sieben. Mit vereinten Kräften
ist es dem Amateurverband und uns gelungen, nun doch wieder sogar neun
Amateurrennen dort zu installieren. Ein Dank an Dortmund. Auch andere Rennvereine
haben unser gezieltes Sponsoring von Amateurrenen, die unseren Vorstellungen
einer basisgerechten Ausschreibung entsprechen, angenommen. Unsere Mitgliederversammlung
hatte in der letzten Sitzung einen solchen Beschluss gefasst.
Inländer-Rennen
Ab 2003 sind alle Rennen - außer den Auktionsrennen - international
offen. Damit fällt die Inländergeltung nach Ziffer 23 RO weg.
Die Inländereigenschaft nach Ziffer 21 RO gilt also nur noch für
die Züchter- und Besitzerprämie.
Die Falle in Ziffer 21, in die ein Gestüt gestolpert ist, das seine
Jährlinge in Newmarket auf einer Auktion vergebens anbot, und sie
durch dieses kurzfristige Gastspiel im Ausland dauerhaft zu Ausländern
machte, wurde jetzt beseitigt.
Eigentumsurkunde
Die Eigentumsurkunde, die vor kurzem kreiert wurde, weil der Pferdepass
ständig mit dem Pferd herumreisen muss, wurde wieder abgeschafft.
Sie hat sich als überflüssig, aufwendig und kostenträchtig
erwiesen. Die Eigentumsverhältnisse sind auch ohne Eigentumsurkunde
nachweisbar, zumal Besitzwechsel beim Direktorium registriert werden. Daraus
resultieren eine ganze Reihe der im WRK veröffentlichten RO-Änderungen.
Allerdings - auch wegen des schwierig geworden Gewährleistungsrechtes
- dürfte es zweckmäßig sein, einen Kaufvertrag abzuschließen.
Wird eine Besitzwechselanzeige für ein Pferd erstattet, für das
bereits eine Eigentumsurkunde ausgestellt wurde, ist diese mit der BWA
beim Direktorium einzureichen.
Tragende Stuten in Rennen
Eine Stute, die mehr als 120 Tage tragend ist, darf an einem Rennen
nicht mehr teilnehmen.
Nasenpflaster
Nasenpflaster, von denen Sportler hoffnungsvoll glauben, sie würden
die Leistung verbessern, sind für Pferde in Rennen nicht zugelassen.
Ziffer 539 Erlaubte Mittel
Da - wenn auch weit von hier - "Impfungen" missbraucht wurden, um zu
dopen, wurden die erlaubten Impfungen präzisiert.
Die Veröffentlichung im WRK ließ nicht eindeutig erkennen,
dass die unter b) und c) aufgeführten erlaubten Substanzen natürlich
weiterhin gelten.
Grundimmunisierung
Ein Pferd ist bereits nach den ersten zwei Impfungen der Grundimmunisierung
zu Rennen zugelassen. Das verhindert, dass ein Pferd, bei dem wegen Zeitversäumnissen
eine neue Grundimmunisierung eingeleitet werden muss, fast ein Jahr in
der Ecke steht.
Mindestgewicht wieder 50 kg
Das Mindestgewicht in Ausgleichen ist wieder von 52 kg auf 50 kg heruntergesetzt.
Umsatzsteuer-Ermäßigung wird wegfallen
Der schwierigen Lage des Pferdesportes wird ein weiteres Handicap draufgesetzt.
Die bisher geltende Ermäßigung des Umsatzsteuersatzes auf 7%
für Pferde (Kauf wie Pachtung), Futtermittel und Einstreu wird (voraussichtlich
zum 1.4.2003) wegfallen, so dass in Zukunft alle entsprechenden Rechnungen
mit 16% statt 7% Umsatzsteuer belastet sind. Das trifft vor allem jene,
die selbst nicht umsatzsteuerpflichtig sind und folgerichtig auch die Vorsteuer
nicht von der eigenen Steuerschuld absetzen können, also die meisten
von uns.
Wer selbst Umsatzsteuer zahlen muss, weil er im Vorjahr mehr als 16620,-
Euro umgesetzt hat, kann diese Vorsteuern zwar absetzen, muss seinen Kunden
aber natürlich auch den höheren Satz berechnen. Verkauft er ein
Pferd an einen nicht umsatzsteuerpflichtigen Hobbyreiter, wird der sich
nur für den Endpreis interessieren. Und von den 3000 brutto, die der
zu zahlen bereit ist, muss der Verkäufer nun nicht die darin steckenden
7% sondern 16% an Herrn Eichel abführen, es bleibt also weniger übrig.
Nicht betroffen von der Erhöhung ist das Halten und die Aufzucht
von Vieh sowie die Beteiligung an Leistungsprüfungen. Die Rennpreise
werden also weiterhin dem 7%igen Satz unterliegen
Schwierig wird's bei Pachtpferden, für die die Pacht (16%) aus
dem Gewinn (7%) bezahlt wird. Fragen Sie Ihren Steuerberater.
Dieses "Steuervergünstigungsabbaugesetz - StVergAbG" befindet sich
derzeit zwar noch in der Gesetzesmachmaschinerie, mit Verbesserungen ist
jedoch kaum zu rechnen.
Pachtung und Kauf aus dem Gewinn
Über Pachtverträge und Käufe aus dem Gewinn gibt es
immer wieder Meinungsverschiedenheiten. Wir haben Musterverträge entworfen,
die auf alle Eventualitäten hinweisen und den Parteien die Wahl lassen,
sich für die eine oder andere Lösung zu entscheiden. Sie finden
die Verträge auf unserer Internet-Site www.besitzertrainer.de, und
von dort weiter zu den Mustern
der Verträge
Missbrauch der Trainerlizenz
Die alten Hasen unter uns werden sich erinnern, wie schwer es war,
gegen alle Widerstände den jetzigen Freiraum der Ziffer 205 RO zu
erkämpfen. Dieses Hinweg von der ursprünglichen Klausel "die
ihm uneingeschränkt zu Eigentum gehören" zur Formulierung "die
ihm ....(und seiner Sippschaft) zu Besitz gehören", beinhaltet die
Möglichkeit, auch gepachtete Pferde zu trainieren.
Damit es keinen Zweifel gibt: bei einer Pacht fließt immer das
Geld vom Pächter an den Verpächter - niemals umgekehrt. Immer
wieder gibt es gewagte Konstruktionen, mit denen Inhaber einer Besitzertrainerlizenz
versuchen, diese Bestimmung auszuhebeln und gegen Entgelt für andere
zu trainieren. Auch eine Teilhaberschaft musste schon dazu herhalten. Wir
haben Verständnis für die Sorge der Berufstrainer, dass eine
Aufweichung der Voraussetzungen für die Besitzertrainerlizenz deren
Existenz bedroht und wenden uns entscheiden gegen solche Experimente.
Das Ergebnis solcher Versuche war ein Antrag, die Ziffer 205 wieder
auf die Eigentumsfrage zurückzufahren, mit einem juristisch ausgefeilten,
für den Normalbürger aber grausigen Text. Wir konnten den alten
Zustand erhalten, mit der Einfügung, dass die trainierten Pferde dem
Besitzertrainer oder seinen Angehörigen "allein oder miteinander"
zu Besitz gehören. Teilhaberschaften mit anderen schließt das
Training aus.
Direktoriumsvorstand
In unserer letzten Mitgliederversammlung wurde beschlossen, eine Änderung
der Direktoriumssatzung zu beantragen, mit dem Ziel, den beiden Amateurverbänden
(Reiter und Trainer) Sitz und Stimme im Direktoriumsvorstand einzuräumen.
Natürlich wurde dieser Antrag abgelehnt, weil ohnehin neue Vorstandsstrukturen
angedacht seien. Wir bleiben dieserhalb am Ball.
Marketing
Ulrich Metzger von der bloodhorse-marketing sucht regelmäßig
Vollblüter zu kaufen, die von der Bahn genommen werden. Email-Adresse
MetzgerUlrich@aol.com
Championat
Traditionell verwenden wir für die Championats-Wertung der Besitzertrainer
einen anderen Zählmodus als üblich, nämlich alle Rennen
(A und B, Flach- und Hindernisrennen zusammen). Wir sind bemüht, diese
Wertung auch ständig fortgeschrieben in die "Sportwelt" zu bringen.
Der Verlag ist bereit dazu, Voraussetzung ist jedoch eine entsprechende
Programmänderung in der Direktoriums-EDV, die kostenträchtig
ist, aber bei der nächsten Überarbeitung eingebaut werden soll.
Phantomlohn
Viele von uns werden zur Mithilfe im Betrieb auf geringfügig Beschäftigte
nach dem 325-Euro-Gesetz zurückgreifen. Seien Sie vorsichtig, wenn
Sie diese Obergrenze voll ausschöpfen. Wenn Tarifverträge oder
Gepflogenheiten eine Weihnachtsgratifikation vorsehen, dann gehen die Sozialversicherungsträger
davon aus, dass auch Ihr Geringfügiger das bekommt, gleichviel, ob
er drauf verzichtet hat oder nicht. Damit ist dann aber die Geringfügigkeitsgrenze
überschritten und das Aushilfsverhältnis wird voll steuer- und
beitragspflichtig. Das kann für den Prüfzeitraum von vier Jahren
zu Nachzahlungen im vierstelligen (DM-)Bereich führen.
Steuernummer auf Rechnung
Seit dem 1.7.2002 muss auf einer Rechnung mit Vorsteuern die Steuernummer
des Ausstellers angegeben sein (Gesetz zur Bekämpfung von Steuerverkürzungen).
Diese ziemlich unsinnige Bestimmung wird energisch von den Verbänden
kritisiert und bekämpft, von vielen Unternehmern auch einfach ignoriert.
Die Finanzverwaltung hat angekündigt, vorerst keine Sanktionen (z.B.
Verwehrung des Vorsteuerabzuges) vorzunehmen. Mit Sicherheit werden aber
solche Sanktionen irgendwann kommen, und je mehr Steuerrebellen sich dagegen
sträuben, desto eher. Sie sind gut beraten, wenn sie solche unvollständigen
Rechnungen zurückweisen und auf korrekter Ausstellung bestehen.
Betriebsübergabe
Wenn Sie einen bestehenden Betrieb übernehmen, dann übernehmen
Sie damit auch alle bestehenden Arbeitsverträge. Wenn Sie Ihren Betrieb
an einen Nachfolger übergeben wollen, müssen Sie Ihre Mitarbeiter
darüber informieren, und diese haben ein Einspruchsrecht, das dazu
führen kann, dass Sie trotz der Betriebsaufgabe alle arbeitsrechtlichen
Rechte der Mitarbeiter weiter erfüllen müssen.
Arbeitsvertrag und Kündigung stets schriftlich
Nach dem sogenannten "Nachweisgesetz" muss ein Arbeitsvertrag schriftlich
alle wesentlichen Punkte des Beschäftigtenverhältnisses festhalten.
Besteht ein solcher Vertrag nicht, wird der Arbeitsrichter dem ausscheidenden
Mitarbeiter alles über Lohnvereinbarungen glauben, was er vorträgt.
Und Sie zahlen nach!
Auch eine Kündigung muss - ob fristgerecht oder außerordentlich
und fristlos - schriftlich erfolgen. Ansonsten ist sie wirkungslos. Auch
dann, wenn der Geschasste Ihrer Aufforderung "Scher dich vom Hof, sonst
mach ich die Hunde los" prompt gefolgt ist.
Und das kann teuer werden.
Mit allen guten Wünschen für das kommende Jahr
Ihr
Hans-Heinrch Jörgensen
Vorsitzender
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