Mitgliederrundbrief Juni 2006
Liebe Mitglieder, liebe Besitzertrainer,
im Wochenrennkalenbder Nr. 22/2006 ist auf Seite 825 ff. unter dem
Titel Zukunftsaufgabe Strukturreform eine Information für Züchter,
Besitzer und Aktive veröffentlicht. Zur Finanzierung des darin angekündigten
"Zukunftsfonds" liegt der Mitgliederversammlung des Direktoriums inzwischen
auch ein Antrag vor, von den Renngewinnen auf drei Jahre eine weitere Abgabe
von 1% abzuziehen, das entspricht etwa einem Fonds-Volumen von 1,3 Millionen
Euro.
Uns ist nicht ganz ersichtlich, warum die ureigensten Aufgaben des ehrenamtlichen
Vorstandes nun auf "externe Experten" verlagert werden müssen, und
wie die Verteilung der 1,3 Millionen Euro angedacht ist.
Wir sind jederzeit bereit, auch durch zusätzlich Opfer dazu beizutragen,
dem Rennsport neue Wege zu eröffnen, die dessen Zukunft sichern. Das
Planungskonzept im WRK 22 enthält jedoch zuviele Ungereimtheiten und
wohlklingene Statements, deren konkreten Hintergrund wir nicht erkennen
und nachvollziehen können. Wir haben darum dem Direktoriumsvorstand
einen Katalog von 20 Fragen vorgelegt, die alle unmittelbar Bezug auf die
WRK-Veröffentlichung nehmen. Sie sollten den WRK und den Fragenkatalog
nebeneinander lesen. Den Fragenkatalog füge ich zu Ihrer Information
bei.
Mit freundlichen Grüßen
Hans-Heinrich Jörgensen
-----------------------------------
An den
Vorstand des Direktoriums für Vollblutzucht und Rennen e.V.
Sehr geehrte Damen und Herren,
im Wochenrennkalender Nummer 22/2006 wird die Auflage eines "Zukunftsfonds"
angekündigt, dessen Finanzierung die Mitgliederversammlung beschließen
möge.
Keine Frage: es besteht dringender Handlungsbedarf, wenn der Rennsport
sich auch zukünftig angemessen im Freizeit- und Glücksspielmarkt
positionieren will. Das allerdings nicht erst seit heute, sondern seit
mindestens zehn Jahren.
Die Argumentation und Planungsvorgabe dazu wirft aber eine Menge Fragen
auf, die den Mitgliedern des Direktoriums tunlichst schriftlich vor der
nächsten Sitzung beantwortet werden sollten, und nicht erst als Tischvorlage
oder Präsentation in der Sitzung.
Ich erlaube mir, einige dieser Fragen zu formulieren, auf die der Rennsport
aus leidvoller Erfahrung in der Vergangenheit konkrete und detallierte
Antworten erwartet.
1. Wie setzt sich derzeit die Strukturkommission zusammen und wer sind
die "externen Experten"?
2. Hält es der Direktoriumsvorstand für angemessen, dass
die Federführung in den Händen eines Wettportalbetreibers liegt,
dessen Geschäftszweck laut Handelregister die "Vermittlung von Wetten
nach Bratislava" ist?
3. Worin sieht der Vorstand die Ursache, dass der Wettmarkt im Bereich
der Pferdewette prosperiert, nur eben nicht in den Totalisator?
4. Welche "gemeinnützigen Vereinsstrukturen" und welche "langen
Entscheidungswege" haben wann, wo und wie dazu beigetragen, dass der Markt
am Sport vorbei reagierte?
5. Welche langfristigen Bindungen laufen Ende 2007 aus und welchen
konkreten "Begutachtungs- und Reformbedarf" sieht die Strukturkommission
hier?
6. Was verstehen Vorstand und Strukturkommission unter einem "professionellem
Management", eine neue Stabsstelle im Direktorium oder eine neue Tochtergesellschaft?
7. Welche Maßnahmen sollen "mediale Präsenz" schaffen?
8. Bedeutet die Schaffung einer "effizienten Verwaltung der Vollblutzucht
und der Renntechnik", dass diese Bereiche bisher nicht effizient verwaltet
wurden, und wie konnte das dann bislang unbemerkt bleiben?
9. Welche Gremien sind überzählig und sollen abgebaut werden?
10. Ist die geplante Abwicklung der Renntage hinreichend mit den Rennvereinen
auch außerhalb der BGG diskutiert worden?
11. Gibt es Grund zu der Annahme, dass die "aktuellen rechtlichen Strukturen"
und "vertraglichen Bindungen" derzeit nicht rechtlich einwandfrei sind?
12. Welches "externe Unternehmen" nimmt diese Prüfung vor und
welche Kosten sind dafür eingeplant?
13. Was ist unter "Schaffung personeller Voraussetzungen für die
Weiterführung des Betriebes" zu verstehen? Wie sollen solche Stellenbeschreibungen
aussehen, welche Dotierung ist vorgesehen, sind bereits bestimmte Personen
vorgesehen? Werden bestehende Stellen abgebaut?
14. Welche Strukturen gestatten es derzeit Investoren, Sponsoren und
Event-Kunden nicht, in den Sport zu investieren?
15. Welchen zusätzlichen Personalbedarf sieht die Strukturkommission?
16. Hält die Strukturkommission das derzeitige Personal der Direktoriumsverwaltung
für fachlich nicht geeignet?
17. Gibt es eine konkrete Ausgabenplanung für die im "Zukunftsfond"
anfallenen 1,3 Millionen Euro?
18. Ist bei der geplanten Überführung des Rennsportes in
eine Kapitalgesellschaft sichergestellt, dass das Direktorium e.V. oder
der Jockey-Club e.V. die Mehrheitsrechte an einer solchen Gesellschaft
hält?
19. Wie soll der dazu erforderliche Kapitalbedarf von mindestens 10
Mio Euro aufgebracht werden?
20. Welche ernsthaften Beteiligungsabsichten an einer solchen Kapitalgesellschaft
sind von wem bisher bekundet worden?
Wir würden es begrüßen, wenn Sie uns als Interessenvertretung
entsprechend dem letzten Satz der WRK-Veröffentlichung Gelegenheit
gäben, unsere Mitglieder über die weiteren Schritte und Maßnahmen
zu informieren.
Mit freundlichen Grüßen
Hans-Heinrich Jörgensen
|