Besitzertrainer-Rundbrief 2007
Großenkneten, den 26.12.2007
Liebe Besitzertrainerinnen und -trainer,
vorab alle guten Wünsche für einen guten Rutsch ins neue
Jahr hinein, vor allem aber am anderen wieder hinaus, und natürlich
eine erfolgreiche Rennsaison 2008.
Mitgliederversammlung 2007
Unsere Mitgliederversammlung im Juli 2007 hat eine Veränderung
im Vorstand gebracht. Heinz Krieger, der viele Jahre dem Vorstand angehörte
und immer wieder als treibende Kraft die Gewinnmöglichkeiten der Basispferde
erfolgreich angemahnt und in der Tat auch verbessert hat, ist ja leider
unmittelbar vor Verleihung der silbernen Ehrennadel des Direktoriums verstorben.
An seine Stelle ist der Patentanwalt Dr. jur. Erhard Liebrecht vom Ullenboomshof
in Xanten (Praxis in Berlin) einstimmig als Beisitzer in den Vorstand gewählt
worden. Der bisherige Vorstand (Hans-Heinrich Jörgensen, Liliane Wied,
Jürgen Langrock, Karen Kaczmarek) wurde einstimmig im Amt bestätigt.
Da unsere bisherigen Kassenprüfer Adolf Noah und Heinz-Peter Kremer
sich aus dem Sport zurückziehen wollen, wurden auch hier neue Kassenprüfer
gewählt, und zwar Rainer Stawski, Dormagen, und Jutta Nußbaum-Dey,
Frechen. Den bisherigen Helfern im Nachhinein ein herzliches Dankeschön
für die gute Zusammenarbeit.
Sitz im Direktoriumsvorstand
Den auf der Mitgliederversammlung gegebenen Jahresbericht musste ich
mit einem "Geständnis" beginnen: die vorherige Mitgliederversammlung
2006 hatte mir den ausdrücklichen Auftrag erteilt, nicht länger
zu verhandeln, sondern vor einem ordentlichen Gericht zu klagen, wenn unserem
seit Jahren verschleppten Antrag, den beiden Amateurverbänden (Amateur-Reitern
und Besitzertrainern) Sitz und Stimme im Vorstand des Direktoriums einzuräumen,
nicht endlich stattgegeben würde. Diesen Auftrag habe ich ignoriert
- aber ich denke aus gutem Grund und letztlich mit Erfolg.
In der Dezembersitzung des Direktoriums 2006 wurde erneut beschlossen,
die Strukturreform voranzutreiben und in dem Zuge auch dem neuen tragenden
gemeinnützigen Verein (derzeit noch Direktorium für Vollblutzucht
uind Rennen e.V.) eine neue Satzung zu geben. Damit war erkennbar, dass
die von uns angefochtene Satzung des Direktoriums gestorben sein würde,
ehe über unsere Klage verhandelt würde. Ich habe darum unseren
Antrag zurückgezogen und unmittelbar erneuert, diesmal auf die neue
Satzung bezogen.
In der Juli-Sitzung 2007 des Direktoriums gab es dann auch "weißen
Rauch", der Vorstand kündigte an, den Besitzertrainern in der neuen
Satzung einen Sitz einzuräumen. Bemerkenswert: einer der führenden
Jockeys sah sich genötigt, dreimal dagegen zu plädieren. In der
Dezember-Sitzung am 18.12.2007 stand dann zwar immer noch kein neuer
Satzungsentwurf für die neue Struktur fest, die Mitgliederversammlung
beschloss aber, die jetzige Direktoriumssatzung dahingehend zu ändern,
dass dem Verband Deutscher Amateurrenreiter e.V. und dem Verein Deutscher
Besitzertrainer e.V. Sitz und Stimme im Vorstand eingeräumt wird.
Ich gehe davon aus, dass das dann auch bei einer völlig neuen Satzung,
wie immer der tragende Verein dann heißen mag, so bleiben wird.
Strukturreform
In unserer Mitgliederversammlung im Juli hat Herr Engelbert Halm ausführlich
über die Ziele, die geplante Struktur und den Stand der Reformvorhaben
berichtet und alle kritischen Fragen soweit möglich beantwortet. Ähnliche
Vorträge gab es auch vor anderen Verbänden und an etlichen Orten.
Die derzeit erhobenen Klagen über mangelnde Information sind darum
nicht ganz nachvollziehbar. Jedem, der sich schon einmal mit dem Finanzamt
oder dem Vereinsregister gekabbelt hat, jedem, dem Warenzeichenrecht und
Vertragsgestaltung keine Fremdwörter sind, und selbst jedem, der schon
einmal eine Baugrube ausgehoben hat, musste von Anfang an klar sein, dass
ein so umfangreiches Umgestaltungskonzept nicht im Handumdrehen verwirklicht
werden kann. Zur Ehrenrettung der Macher: je tiefer man in die Materie
eindrang, desto mehr neue Probleme taten sich auf. Das neue Gebilde kann
nicht im Januar 2008 fertig stehen, aber es wird die ersten zaghaften Schritte
tun.
Und damit das nicht zu einem Stolpern wird, bedarf es etlicher Prüfungen.
Besitzertrainer der jüngeren Jahrgänge kennen aus dem Vorbereitungskurs
für die Prüfung (hoffentlich) noch das Instrument einer "verbindlichen
Zusage" durch das Finanzamt - in diesem Fall durch etliche Finanzämter,
und nicht nur Gottes Mühlen mahlen langsam... Immerhin, die ersten
Verträge liegen prüfungsreif vor.
Die auch von uns kritisch gestellte Frage, wer denn in ein solch desolates
Unternehmen, wie der Rennsport sich derzeit darstellt, investieren solle
um das angepeilte Anfangskapital einzuwerben, lässt sich verständlicherweise
nicht im Stadium der Vorverhandlungen konkret beantworten. Ich nehme unseren
Verhandlungsführern aber ab, dass es ernsthafte Interessenten und
ernsthafte Gespräche gibt, vorausgesetzt die Ziele der Strukturreform
werden verwirklicht.
Auch hier ist es nicht ganz einfach, Strukturen zu finden, die für
Investoren interessant genug sind, aber nicht zu einem Ausverkauf unserer
rennsportlichen Ziele führen. Die Spaltung im Traberlager macht dieses
Problem deutlich.
Wieviele Millionen auch anfangs in die geplante Kapitalgesellschaft
als Investment fließen mögen, entscheidend für die Zukunft
ist, dass es mit dem Anfangskapital und neuen Strukturen gelingt, einen
angemessenen Teil des Glückspielmarktes wieder in den Rennsport fließen
zu lassen.
Buchmacherverträge
Eine weitere Baustelle sind die Verträge mit den Buchmachern,
die vom Produkt Pferderennen leben ohne sich hinreichend an den Gestehungskosten
zu beteiligen. Derzeit ist nicht der Wetter der Hauptfinanzier des Rennsportes,
sondern die Besitzer, die mit erheblichem Aufwand Pferderennen ermöglichen,
ihre spärlichen Rennpreise über Nenngelder und Abgaben zu einem
beträchtlichen Anteil selbst aufbringen, und den Wettveranstaltern
ein bewettbares Geschenk vor die Füße legen.
Die zum Jahreswechsel auslaufenden Lieferverträge bedürfen
der Neufassung, darüber wird verhandelt. Damit die Winterrennen nicht
plötzlich in ein Außenwettenloch fallen, wird über eine
kurzzeitige Verlängerung der bestehenden Verträge gesprochen,
was sich ähnlich schwierig gestaltet, wie die Gespräche mit den
Lokomotivführern.
Von Astra nach Sirius
Die Rennfilme über das verschlüsselte Programm BD1 für
20,- € monatlich werden ab 2008 nicht mehr vom Satelliten Astra kommen,
sondern von Sirius. Das wird für die meisten bedeuten, eine zweite
Schüssel auf Sirius auszurichten, diese per DiSEqC-Schalter auf den
Receiver zuzuschalten und ein Viaccess-Modul für die neue Smartcard
zu beschaffen. Alternativ wird es möglich sein, Rennfilme per Internet(-Abo)
zu betrachten.
Tierschutztransportverordnung
Die Veröffentlichungen zur "neuen" - inzwischen schon ziemlich
alten - EU-Richtlinie zur Tierschutztransportverordnung haben viel Unruhe
gestiftet. Richtig ist, dass die Richtlinie die bestehende deutsche Verordnung
verschärft, insbesondere für "lange Transporte", die über
8 Stunden dauern. Dabei zählen Hinfahrt zum Rennen und Rückreise
inclusive der dazwischen liegenden Rennveranstaltung als ein Transport,
in der Regel also ein "langer Transport".
Betroffen von den Verschärfungen sind aber nur "gewerbliche
Transporte". Der Besitzertrainer, der seine eigenen Pferde transportiert,
muss zwar über Sachkunde verfügen, muss diese aber nicht
durch eine Bescheinigung nachweisen. Sollten Sie in einer Verkehrskontrolle
danach gefragt werden, berufen Sie sich auf Artikel 1, Ziffer 5 der Richtlinie.
Der Berufstrainer aber, der die Pferde seiner Einsteller transportiert,
ist fraglos gewerblicher Transporteur, und hier bewegen sich etliche zur
Zeit auf sehr dünnem Eis. Die Strafbarkeit solch nicht richtliniengetreuer
Transporte erstreckt sich übrigens auch auf den Auftraggeber, also
den Pferdebesitzer, der guten Glaubens handelt.
RO-Änderungen
Die Änderungen der Rennordnung haben Sie im letzten WRK gelesen.
Auf unsere Initiative sind die Straffung und Vereinheitlichung beim Ausscheidungsverfahren,
bei der Zulassung zum Ausgleich und vor allem bei den Gewichtserlaubnissen
der Reiter entstanden. Substanziell hat sich bei den Gewichtserlaubnissen
vor allem die Spreizung (10 - 30 - 50 Siege statt 30 - 40 - 50 Siege) geändert,
auch gelten die Erlaubnisse jetzt ebenso in B-Rennen. Prüfen Sie bitte
vor der Starterangabe, ob Ihr Reiter up to date ist und Ihnen die richtige
Erlaubnis angibt. Auch sollten insbesondere die B-Vereine g.F. ihre Ausschreibungen
anpassen.
Beim Ausscheidungsverfahren werden jetzt überall - außer
in Gruppe- und Listenrennen - zuerst die gegen erhöhtes Nenngeld nachgenannten
Pferde ausgescheiden.
Beiträge
Wir werden im Januar den Beitrag von 20,- € für 2008 von
Ihrem Direktoriums- oder Bankkonto abrufen. Bitte achten Sie auf ein entsprechendes
Guthaben. Die Lizenz ist abhängig von der Beitragszahlung. Und sollte
sich Ihr Konto oder auch Ihre Adresse geändert haben, lassen Sie uns
das bitte wissen.
Pressearbeit
In der Zeitschrift "Oldenburger Reitplatz" wird in den nächsten
Tagen ein Aufsatz von mir "Rennpferde selbst trainieren" erscheinen. In
Heft 1/2007 der gleichen Zeitschrift ist ein Aufsatz "Den Kleinen eine
Chance" gewesen. Beide sind gedacht, Nachwuchs für das Reiter- und
Trainerlager zu gewinnen. Wenn Sie die Möglichkeit sehen, solche Artikel
in Ihrer heimischen Reitsportpresse unterzubringen, stelle ich Ihnen die
Manuskripte gern zur Verfügung.
Championat
Das Jahr ist noch nicht ganz zu Ende, aber schon jetzt ist erkennbar,
dass Reinhardt Johannsmann das Championat der Besitzertrainer sicher in
der Tasche hat. Nach heutigem Stand hat er auf der Flachen und über
Hindernisse, in A- und B-Rennen insgesamt 17 Siege erringen können.
Dazu unseren herzlichen Glückwunsch.
Bundesverdienstkreuz
Am 8. November des Jahres durfte ich in einer Feierstunde im hiesigen
Rathaus aus den Händen des Landrates das mir vom Bundespräsidenten
verliehene Bundesverdienstkreuz am Bande entgegennehmen. In meinen Dankesworten
habe ich betont, dass die Ehrung weniger mir gilt, sondern den Vereinen
und Verbänden, die mich getragen haben und die ich getragen habe.
Dazu zählt auch der Verein Deutscher Besitzertrainer e.V. Mit Stolz,
Dankbarkeit und Demut habe ich den Orden stellvertretend für Sie alle
angenommen.
Mit freundlichen Grüßen
Hans-Heinrich Jörgensen
PS: Lassen Sie mich noch einmal darauf hinweisen, wie wichtig die Winterrennen
für uns alle sind. Wir haben sie mit unseren bescheidenen Mitteln
mit unterstützt, damit sie durchgeführt werden können. Nun
sollten wir aber auch Gebrauch davon machen und die Pferde starten lassen.
Im Gegensatz zu den Sommermonaten erhalten auch die dritt- und viertplatzierten
Pferde den Transportkostenzuschuss - und die Starterfelder sind meist deutlich
kleiner.
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