| von Hans-Heinrich Jörgensen
Die durch vielfältige praktische Erfahrung von Sportlern belegte Tatsache, daß in Zeiten intensiven Trainings ein erhöhter Bedarf an essentiellen Mineralien und Spurenelementen auftritt, ist durch wissenschaftliche Literatur nur dünn belegt und erklärt. Hier soll der Versuch unternommen werden, jene Stoffwechselmechanismen aufzuzeigen, an denen Mineralien wesentich beteiligt sind, und die bei körperlicher Anstrengung ein Mehrangebot bedingen oder durch ein Minderangebot gestört werden können. Mineralien werden nicht - wie z.B. Kohlenhydrate - bei vermehrter Arbeitsleistung vermehrt verbraucht, wohl aber aus Depots und Intrazellulärräumen freigesetzt, abtransportiert und der renalen Ausscheidung preisgegeben, so daß ein erhöhter, rechnerisch allerdings nur sehr unvollkommen zu erfassender Mehrbedarf entsteht. Ein Minderangebot auch nur eines einzelnen essentiellen Minerals oder
Spurenelementes kann die physiologische Leistungsbereitschaft deutlich
herabsetzen. Eine Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied.
Die körperliche Leistungsfähigkeit kann nur voll eingesetzt werden,
wenn alle Glieder dieser Kette intakt sind:
Die physiologische Leislungsbereitschaft schwankt zirkadian zwischen 40 Prozent (nachts) und 65 Prozent (vormittags) der vollen Leistungskraft. Im Leistungssport gilt es, kurzfristig die Einsatzreserven zu mobilisieren, die im gleichen Tagesrhythmus weitere ca. 20 Prozent der absoluten Leistungskraft ausmachen. Der Rest ist autonom geschützt und kann nur unter größter Gefahr für den Körper durch massiven pharmakologischen Eingriff dem Willen zugänglich gemacht werden. Zu Recht sind solche Eingriffe als »Doping« verboten. Im Bereich der Einsatzreserve zwischen physiologischer Leistungsbereitschaft und autonom geschützter Reserve werden alle Stoffwechselvorgänge bis an ihre Obergrenze ausgenutzt, teilweise unter Eingehen einer »Schuld« auch darüber hinaus. Das setzt ein mindestens ausreichendes Angebot aller beteiligten Mineralien und Spurenelemente voraus, besser noch ein gewisses Reserveangebot. Geringfügige Mängel an nur einer Stelle der oben gezeigten Kette können erhebliche Leistungsminderungen zur Folge haben. Ein Überangebot an Mineralien kann keine Leistungssteigerung über die Einsatzreserve hinaus bewirken, sondern nur deren optimale Nutzung ermöglichen. Die Zufuhr von Mineralien ist daher auch niemals »Doping«. Zu den essentiellen Mineralien zählen die Elemente Na, K, Ca, Mg, Cl, P, Fe, Zn, Mn, Cu, Co, F, J. Hier und da wird diskutiert, ob der Kreis der Spurenelemente nicht größer zu fassen ist, doch fehlt für andere Elemente noch der Beweis ihrer Unentbehrlichkeit. Diese Elemente greifen als Bestandteile etlicher Stoffwechselsubstrate, als prosthetische Gruppe vieler Enzyme, als Coenzym oder als Katalysator ganz wesentlich in viele Enzymsysteme ein. Natrium
Natrium ist durch seine hohe Wasserbindungskapazität wesentlich an den osmotisch gesteuerten Wasserverteilungsmechanismen beteiligt. Kommt es bei starkem Schwitzen zu einem Natrium-Verlust, sinkt der extrazelluläre Natrium-Spiegel, das osmotische Gleichgewicht verschiebt sich, der Intrazellulärraum wird hyperton, Wasser strömt in die Zellen ein, es kommt zur Wasserintoxikation. Diese Gefahr wird jedoch allgemein überschätzt. Nur langdauernde schweißtreibende Übungen in großer Hitze können zum Natrium-Verlust und damit zur Dehydration führen. In diesem Falle sollten alle Getränke mit einer Prise Kochsalz versetzt werden. Beim Aktionspotential strömen Natrium-Ionen in die Zelle hinein. Hier werden also keine Natrium-Ionen dem Intrazellulärraum entzogen und der Ausscheidung preisgegeben. Kalium
Das Ruhepotential ist abhängig vom intraextrazellulären Kaliumgetälle. Steigt dieser Quotient infolge extrazellulären Kaliummangels, verzögert sich die elektroenergetische Reizübertragung. Kalium im strömenden Blut bewirkt eine Vasodilatation und ist wahrscheinlich auch an der Pulsfrequenzeinstellung beteiligt, spielt also in den vegetativen Stellkreisen eine Rolle. Bei hoher körperlicher Leistung wird ein Großteil des verfügbaren Sauerstoffes schon für die Atemarbeit verbraucht. Gerät die Muskelarbeit nach Verbrauch der Sauerstoffreserven in den anaeroben Bereich, wird vermehrt Milchsäure gebildet. Zum Puffern dieser Säurevalenzen und zur C02-Bindung sind Kalium-Ionen erforderlich. Je weniger freie Kalium-Ionen zur Verfügung stehen, desto mehr wird die milchsäurebedingte metabolische Azidose durch zusätzliche Atemarbeit abgebaut, so daß sich die Sauerstoffbilanz deutlich verschlechtert. Ein Kahummangel macht sich sehr schnell durch eine Minderung der Muskelkraft bemerkbar. Zu den klassischen Symptomen gehört die an den Beinen beginnende Muskelschwäche. Der Kaliummangel-Patient klagt: »Ich komme die Treppen nicht hoch.« In Zeiten intensiven Trainings tritt ein erhöhter Bedarf an essentiellen Mineralien und Spurenelementen auf. Die Zufuhr von Mineralien ist allerdings niemals »Doping«. Der Tagesbedarf bei normaler Betätigung (zwei bis sechs Gramm/die) wird mit unserer landesüblichen Mischkost einigermaßen gedeckt. Bei starker körperlicher Belastung steigt der Bedarf auf ca. zehn Gramm/die, und es kann schnell zu Mangelerscheinungen kommen. Kohlenhydratarme Diät, z. B. überwiegende Fleischernährung (Steakdiät) oder Reduktionskost, verstärkt den Mangel. Nicht unbeachtet sollte bleiben, daß bestimmte Medikamentengruppen zur Kalium-Ausschwemmung führen, so z. B. Laxantien, Diuretika, Glykoside, Kortikoide, Antihypertonika. Rennreiter mißbrauchen gern Diuretika zum schnellen »Gewichtmachen«. Calcium
In der synaptischen Reizübertragung setzt Calcium die Transmitter frei. Zugleich aber trägt Calcium durch die Bindung freier Anionen an der Zellaußenseite zur Stabilisierung des Ruhepotentials bei. Ein Mangel führt zunächst zur Minderung der Reizübertragung und Kontraktionskraft, später zur Häufung der Aktionspotentiale mit tetanischen Krämpfen. LÜTTGAU konnte im Tierversuch nachweisen, daß ein Calcium-Mangel zur Verminderung der maximalen Muskelkraft um 15 Prozent führte. Ein Calcium-Mangel im Serum wird schnell durch den Abbau der im Skelett gespeicherten Calcium-Reserven ausgeglichen. Da wir ohnehin davon ausgehen müssen, daß unsere Kost zu einer permanenten Minderversorgung mit Calcium führt, läßt sich die Alters-Osteoporose vorherberechnen Da umgekehrt die sportliche Betätigung mit ständiger Belastung der Spongiosa auf Zug, Druck und Torsion der physiologische Reiz zur Calcifizierung des Knochens darstellt, sollte für ein ausreichendes Calcium-Angebot Sorge getragen werden. Magnesium
Am Calcium wie auch am Magnesium wird deutlich, wie sehr die gleiche Substanz in Funktionskreisen teils exzitatorisch, teils inhibitorisch wirken kann. Die vielfältig miteinander verzahnten Regelkreise können nur funktionieren, wenn alle Substanzen im physiologischen Gleichgewicht vorliegen. Der massive Einsatz einzelner Elektrolyte greift eher störend als leistungssteigernd in diese Mechanismen ein. Zur Supplementierung fehlender Mineralien sollten daher nur Präparate Verwendung finden, bei denen diese physiologischen Mengenrelationen sich in der Zusammensetzung widerspiegeln. (Präparat: Neukönigsförder Mineraltabletten®). Magnesium hemmt unter anderem die Agglutination der Thrombozyten und verbessert damit die Viskosität des Blutes, was gerade bei Spitzenleistungen von wesentlicher Bedeutung ist. Phosphor
Unmittelbarer Energiespender für die Muskelarbeit ist das Adenosintriphosphat (ATP), das über Adenosindiphosphat (ADP) zu Adenosinmonophosphat (AMP) zerfällt und dabei Energie abgibt. Der ATP-Vorrat der Muskulatur reicht jedoch nur für etwa eine bis zwei Kontraktionen und wird dann aus dem Kreatinphosphatspeicher aufgefüllt, der für etwa zehn Sekunden Hochleistung ausreicht. Erst danach beginnt die aerobe Glucoseoxidation, diesmal unter Anlagerung von den im ATP-Zerfall freigewordenen Phosphor-Ionen. Sind keine freien Phosphor-Ionen vorhanden, kommt es statt zur Oxidation vorzeitig zur anaeroben Glykolyse, bei der die Energieausbeute etwa 20mal geringer ist. Diese vermehrten Phosphor-Umsetzungen bedeuten nicht nur vermehrten Bedarf, sondern auch vermehrte Ausscheidung. Im femoral-venösen Blut steigt die Phosphor-Konzentration nach Arbeit um fast 75 Prozent an. Auch im Urin ist die Phosphor-Konzentration nach Arbeitsleistung deutlich höher. Den Phosphormehrbedarf des Leistungssportlers oder Schwerarbeiters kann man linear zum Energiemehrbedarf schätzen. Wie phosphorabhängig der Muskel ist, zeigt sich daran, daß
SEARLE nach einer antacida-induzierten Hypophosphatämie das
Bild einer Myopathie beobachten konnte.
Ein Minderangebot auch nur eines einzelnen Minerals kann die physiologische Leistungsbereitschaft deutlich herabsetzen. Eisen
Daß Aktivität und Dynamik durch Eisenmangel negativ beeinflußt wird, gilt als humanmedizinische Binsenweisheit. BOWERING konnte das im objektivierbaren Tierversuch bestätigen. Hauptursachen für Mangelerscheinungen sind unsere denaturierte Nahrung und Blutverluste durch Menstruation oder bei regelmäßigen Blutspendern. Zink
Bei körperlicher Anstrengung wird Zink in erheblichen Mengen freigesetzt. Der Serumspiegel steigt beträchtlich an. (STROMME). Der Zinkgehalt des trainierten Muskels ist deutlich höher als der des untrainierten. Da Zink an der Synthese der Nukleinsäuren beteiligt ist, wird der
Proteinaufbau wie
Die Zinkversorgung verdient besondere Beachtung, da beim Leistungssport nicht nur der Bedarf steigt, sondern Querschnittsuntersuchungen mitteleuropäischer und amerikanischer Kost auch eine Unterversorgung wahrscheinlich machen. Ein Überangebot an Mineralien kann keine Leistungssteigerung über
die
Kobalt
Erythrozyten können Sauerstoff nur an ihrer Oberfläche binden. Bei gleicher Hämoglobinmenge entsteht eine wesentlich größere Sauerstofftransportkapazität, wenn dieses Hämoglobin in viele kleine statt in wenige große Erythrozyten eingebaut ist, weil nach mathematischen Gesetzen die Gesamtoberfläche dadurch größer wird, und eben das wird durch Kobalt bzw. Vitamin B12 bewirkt. Es hat Versuche gegeben, Fliegern und Bergsteigern durch Kobaltgaben zu einer besseren Adaption an den 02-Mangel zu verhelfen. Im Bereich der Sportmedizin dürfte von Interesse sein, daß Kobalt den Sympathikus sowie die ACTH- und Cortisolbildung stimuliert und damit Reserveblut aus den Depots mobilisiert. Die Bildung der Aminosäuren Methionin, Cholin und Alanin und damit die Eiweißsynthese ist kobaltabhängig. Kupfer
Die Cytochrom-Oxydase, Bemsteinsäure-Oxydase, Katalase, Lactase, Ascorbinsäure-Oxydase, Adrenalin-Oxydase und Polyphenol-Oxydase-Tyrosinase sind auf die Gegenwart von Kupfer angewiesen. Mithin ist auch die Adynamie das typische Kupfermangelsymptom. Mehrfach diskutiert, aber endgültig noch nicht abgeklärt ist die Frage, wie weit die von der kupferhaltigen Lysyloxydase gesteuerte Synthese der Kollagenstruktur auf Mängel reagiert. Bei Veränderungen der enzymatischen Aktivität kann es zu Störungen der Kollagenstruktur im Bereich der Gelenkkapseln und Synovia kommen. Das ist zwar nicht für die unmittelbare Leistungsaktivierung, wohl aber für die Erhaltung der Leistungsfähigkeit bedeutsam. Mangan
Durch die Aktivierung der Östradiol-Oxydation verhindert Mangan eine »allzu weibliche« Hormonlage. Jod
Jod ist der Hauptbestandteil der Schilddrüsenhormone, die den Energiehaushalt steuern. Ein Jodmangel reduziert sämtliche Stoffwechselvorgänge auf ein Minimum, Vitalität und Körpertemperatur sinken, die Leistungsfähigkeit der Muskulatur wird herabgesetzt und die Kreislaufregulation eingeschränkt. Fluor
Zusammenfassung:
Zu empfehlen sind in diesem Zusammenhang Neukönigsförder Mineraltabletten®.
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