| Hans-Heinrich Jörgensen
Sportler brauchen Mineralien Alle brauchen Mineralien, nicht nur Sportler, die aber in besonderem Maße, insbesondere dann, wenn sie über den Alltagssport hinaus Höchstleistungen erbringen wollen. Dabei spielt der Säure-Basen-Haushalt eine besondere Rolle, weil der ansteigende Milchsäurespiegel unter anaerober Verbrennung der arbeitenden Muskulatur ein Leistungslimit setzt. Das Rennpferd, das hoffnungsvoll durch den Schlussbogen kommt, und dann "nach hinten durchgereicht wird", der Sprintläufer, der kurz vor dem Ziel einbricht, der Radrennfahrer, der auf den letzten Kilometern alle Hoffnung fahren lässt ..., sie sind das klassische Beispiel für versagende Muskeln, die ob des Säureanstiegs nichts mehr leisten können. Meine Erfahrungen als Hobby-Pferdezüchter und -trainer warfen vor bald vierzig Jahren die Frage auf, was ich denn in dieser Hinsicht für meine menschlichen Patienten tun könnte, woraus nach ausführlicher Recherche eine Rezeptur für ein Mineral- und Spurenelement-Gemisch entstand, das die Apotheker meiner Umgebung zur Verzweiflung brachte. Es enthielt alle essenziellen Mineralien und Spurenelemente, letztere teilweise im Mikro- und Milligrammbereich. Das kleinste Gebinde, das ein Apotheker beim Großhandel ordern konnte, lag jeweils bei einem Kilogramm. Den Apothekern zu Liebe wurde aus der Rezeptur dann auch schnell eine Arzneispezialität, die Neukönigsförder Mineraltabletten®, die sich nach schwieriger Anlaufphase schließlich in die Riege der marktführenden Produkte hochrackern konnten. Nicht unwesentlich haben dazu die Sportler und Sportmediziner beigetragen. Namhafte Fußballvereine und Olympioniken unterstützten ihr Training mit diesen Tabletten, und immer wieder fragten Trainer an, woran es denn liegen könne, dass das Leistungslimit ihrer Betreuten unter dem Einsatz dieser Tabletten deutlich höher lag. Milchsäure
Das bedarf der Erklärung: Muskelarbeit verbraucht genau wie der Automotor Energie, diesmal kein Benzin sondern Glucose, ein Kohlenhydrat. Die Energieausbeute erfolgt durch Verbrennung, zu deutsch Oxidation. Ein Kohlenstoffatom (C) bindet zwei Sauerstoffatome (O2) zu CO2 an sich. Die dabei entstehende Wärme treibt den Motor an. Den Kohlenstoff haben wir gegessen, den Sauerstoff eingeatmet. Mit dem Essen gibt es zumindest hierzulande keine großen Probleme, es sei denn, wir folgen irgendwelchen Ernährungs-Gurus. Mit dem Atmen schon eher, denn der Weg von der Lunge bis zur Wadenmuskulatur ist lang und hindernisreich. Schnell ist die Sauerstoffreserve in der Muskulatur aufgebraucht, und kommt der Nachschub nicht schnell genug, schaltet die Energieausbeute auf ein sauerstoffsparendes aber deutlich weniger effizientes Verfahren um: die anaerobe Verbrennung. Auch dabei entsteht CO2, aber wo kommt der dazu nötige Sauerstoff her? Ganz einfach, aus dem überall vorhandenem Gewebswasser (H2O). Die beiden für das CO2 dem Wasser abgerungenen Sauerstoffatome hinterlassen jeweils wiederum zwei, zusammen also nun vier frei gewordene Wasserstoffatome (4H+). Und genau das ist der Träger der Säure, das dissoziierte, aus einer Verbindung heraus gelöste, Wasserstoffatom. Diese natürlich stark vereinfachte Milchmädchenrechnung macht zugleich deutlich, warum denn unsere eifrige CO2-Produktion aus Automotoren und Fabrikschloten auf unserer Erdkugel mit ihrem ja auch begrenzten Sauerstoffmantel zur Zerstörung der Wälder, Felder und Meere beiträgt. Mangan
Kein dissoziiertes H+-Ion, kein freies Wasserstoffatom, kein Träger der Säure löst sich in Nichts auf. Es wird mehr oder weniger fest in andere Verbindungen eingebunden und damit seiner unmittelbaren Aggressivität beraubt. Pufferung nennt man das. Eine hohe Pufferkapazität des Blutes kann solche freigesetzten Säuren abfangen und damit das Erreichen der Leistungsgrenze hinausschieben. Lange haben wir in der Medizin angenommen, dass die elektrisch positiven Kationen Calcium, Kalium, Magnesium und Natrium solche puffernden Eigenschaften haben und als Basen der Säure entgegen wirken. Auf dieser irrigen Annahme basieren übrigens auch alle Ernährungstabellen, die den Säurewert von Nahrungsmitteln darstellen - und alle in den Papierkorb gehören. Richtig ist, dass nur bestimmte Verbindungen dieser Kationen zusätzliche H+-Ionen aufnehmen können, das sind vor allem Phosphat- und Carbonatverbindungen. Natriumhydrogencarbonat
Zum Entsäuern gehört wesentlich mehr, als nur vorübergehend zu puffern. Entsäuern bedeutet, dass die Säureträger zunächst aus der Muskulatur freigesetzt werden müssen, damit die Niere als Ausscheidungsorgan sie überhaupt erkennt. Und schließlich müssen sich an der Niere auch die Pforten öffnen. Kalium
Eine ausreichende Kaliumversorgung stärkt das Ruhepotenzial und sorgt dafür, dass die Nervensignale an die Muskeln im angemessenen Rahmen bleiben, sich nicht überschlagen und auch nicht plötzlich zum völligen Stillstand kommen. Darum gehört Kalium zu den unerlässlichen Mineralien, die ein Leistungssportler benötigt. Aber Achtung: hier lauert eine Falle: Geht es an die Leistung heran, muss Kalium bereits im Inneren der Nervenzellen vorhanden sein, und nicht erst während der Bergtour als Elektrolyttrank getrunken werden. Noch nicht in der Nervenzelle, noch auf dem Wege dort hin in der Umgebungsflüssigkeit, dem Extrazellulärraum, verstärkt es ja nicht das Ruhepotenzial, im Gegenteil, das Konzentrationsgefälle wird gemindert und damit das Ruhepotenzial schwächer. Also muss Kalium nicht im Wettkampf sondern in der Trainingsphase genommen werden. Magnesium
Und noch etwas kommt hinzu: Ist der Kaliumgehalt der Nervenzelle zu niedrig, wandern stattdessen dissoziierte Wasserstoffionen in die Zelle ein, also Säure. Kommt durch die anaerobe Verbrennung immer mehr Säure hinzu, ist schnell das Leistungslimit erreicht. Eine ausreichende Kaliumversorgung stabilisiert also nicht nur die neuromuskuläre Erregbarkeit, sondern verzögert auch den fatalen Säureanstieg in der Muskulatur. Mineralien werden nicht "verbraucht", wohl aber vermehrt zwischen dem Zellinneren und -äußeren hin und her transportiert. Je öfter das Ruhe- und Aktionspotenzial wechselt, je öfter eine Muskelzelle angespannt und wieder entspannt wird, desto mehr Kalium, Calcium, Magnesium und Natrium, desto mehr Phosphate und Carbonate verlassen ihren schützende Hort und werden nach getaner Arbeit ausgeschieden. So kann sich zum Beispiel der Kaliumbedarf bei körperlicher Anstrengung von 2 Gramm/Tag auf 10 Gramm/Tag steigern. Zudem ist Kalium schlecht gegen Ausschwemmverluste geschützt. Die Unsitte, in einigen Disziplinen das Körpergewicht durch Diuretika zu korrigieren (Jockeys), oder ebenfalls durch Wasserausschwemmung den Anteil der Sauerstoff transportierenden Erythrozyten im Blut relativ zu erhöhen, führt zugleich zu einem massiven Kaliumverlust und bewirkt allzu leicht das Gegenteil. Wenn schon der Gesunde am dritten Tag seiner Abspeckkur oder seines Heilfastens wegen des akuten Kaliummangels klagt: "Ich komme die Treppen nicht mehr hoch!", wie viel mehr macht das dem Sportler zu schaffen. Also bitte keine Experimente mit dem Kalium. Eisen
Am Ende des Sauerstofftransportes steht die Muskulatur. Hier dient eine dem Hämoglobin ähnliche Substanz, das Myoglobin als Sauerstoffspeicher. Auch Myoglobin besteht aus Eisen und Eiweiß. Es gilt also das gleiche wie oben. Kupfer
Monoamine, Transmitter oder Katecholamine nennen wir jene Überträgersubstanzen, die für die synaptische Übertragung neuraler Impulse zuständig sind. Ohne Monoamine kein Denken, kein Fühlen, keine Bewegung, kein Leben. Monoamino-Oxidasen - wiederum kupferabhängig - sind jene Enzyme, die aus der im Käse enthaltenen Aminosäure Tyrosin zunächst Dopamin und schließlich Noradrenalin und Adrenalin auf- und auch wieder abbauen. Das sind die wohl wichtigsten Überträgersubstanzen, die für Aktivität und Kreativität, aber auch für Stress stehen. Ihr hinreichender Aufbau und ihr rechtzeitiger Abbau halten uns in der richtigen Waage zwischen Antriebslosigkeit einerseits und Übererregbarkeit andererseits. Psychische Immunität heißt diese Waage. Das typische in der Medizin beschriebene Symptom für einen Kupfermangel ist die Adynamie, die Antriebslosigkeit, die ja einem Sportler am allerwenigsten gut zu Gesichte steht. Die ebenfalls kupferabhängige Lysyl-Oxidase ist für die Struktur des kollagenen Bindegewebes, also für Knorpel, Gelenkkapseln, Sehnen und Muskelhüllen, Aderwände und Stützgewebe, mit verantwortlich. Eine kupfermangelbedingte Verminderung der Lysyl-Oxidase-Aktivität führt zur Strukturveränderung des kollagenen Bindegewebes und einer bestimmten Form der rheumatoiden Arthritis. Zink
Und wenn wir schon beim Zink sind, kann ich mir den Hinweis nicht verkneifen, dass der erste Wettkampf, den ein Mensch bestreiten muss, schon lange vor seiner Geburt, nämlich bei seiner Zeugung ausgefochten wird. Millionen Spermien streben im Wettlauf dem Ziel zu. Nur eines, das schnellste, schafft es, das Ei zu befruchten und zu einem Menschen zu werden. Und auch das nur mit Hilfe des so wichtigen Spurenelementes Zink, denn die Beweglichkeit und Lebensfähigkeit der Spermien ist von einer ausreichenden Zinkkonzentration im Ejakulat und in der Prostata abhängig. Und schließlich noch einmal Zink: Nahezu alle Funktionen der Immunabwehr sind zink-gesteuert. Es liegt auf der Hand, dass ein gesunder Läufer schneller ist, als ein vom Schnupfen schniefender. Phosphor
ATP wird immer wieder aufs Neue auf- und abgebaut, stets unter Verwendung der vorhandenen Ressourcen. Die Energieausbeute des menschlichen Stoffwechsels ist ein Wunderwerk an Ökonomie und Ökologie. Könnten unsere Autobauer das nachahmen, bräuchten wir keine Klimakatastrophe zu fürchten. Hier nur zwei Beispiele um deutlich zu machen, welche Energieleistung mit einem Brötchen zum Frühstück, einem Teller Suppe mittags und abschließend einem Schnittchen zum Abendessen möglich ist: Der Körper baut bei normaler Arbeit am Tag ca. 70 kg ATP auf und wieder ab. Und jener kleine faustgroße Muskel im Brustkasten, der das Blut mit allen Treibstoffen stets in Bewegung hält, und nur einen Bruchteil davon für seine eigene Arbeit abzweigt, pumpt am Tag gut 7 Tonnen (7 000 Liter) durch ein endloses Adernetz. Unter sportlicher Hochleistung kann sich diese zu pumpende Menge gar versechsfachen. Calcium
Und schließlich spielt Calcium bei der Umwandlung nervlicher Impulse in eine Muskelkontraktion eine entscheidende Rolle. Aus den Mitochondrien freigesetzte Calcium-Ionen verwandeln an der Nervenendplatte das Aktionspotenzial in eine Muskelkontraktion. Silicium
Auch in der Phytotherapie wird Silicea mit den gleichen Indikationen benutzt. Alle Pflanzen mit dieser Indikation zeichnen sich durch einen extrem hohen Silicea-Gehalt aus. Kollagenes Bindegewebe macht etwa 70% unseres gesamten Körpereiweißes aus. Bandscheiben, Sehnen, Bänder, Knorpel, Gelenkkapseln, die Spongiosa, das Grundgerüst der Knochen, Herzklappen und vieles mehr zählt dazu. Alles das unterliegt beim Sportler und vor allem beim Leistungssportler einer besonders starken Belastung und bedarf der Pflege. Eine ausgezeichnete Studie der kalifornischen Universität San Diego zeigt, dass Silicea für die Matrix, also das "Strickmuster", nach dem kollagenes Bindegewebe erzeugt wird, unerlässlich ist. Die Knorpelflächen unserer Gelenke werden ständig abgebaut und wieder erneuert. Schreitet der Abbau schneller voran als neue Knorpelsubstanz gebildet wird, oder stimmt die Matrix nicht, so dass minderwertiges Bindegewebe produziert wird, sind Verschleißerscheinungen oder auch akute Verletzungen vorprogrammiert. Silicea ist auch für den Epiphysenschluss verantwortlich. Die Epiphyse ist der Spalt zwischen den langen Röhrenknochen und den angrenzenden Gelenken, der sich erst schließt, wenn das Längenwachstum abgeschlossen ist, der Sportler also erwachsen geworden ist - zumindest körperlich. Dieser noch nicht komplett geschlossene Spalt kann sich bei jugendlichen Leistungssportlern entzünden. Der klagt dann über Schmerzen an der Grenze zum Handgelenk oder Ellbogen, zum Sprunggelenk oder Knie. Doping
Es sei allerdings nicht verschwiegen, dass schon versucht wurde, mit Natriumhydrogenphosphat-Infusionen unmittelbar vor der Hochleistung den Säureschub der anaeroben Verbrennung abzufangen und damit das Leistungslimit heraufzusetzen. Das bestätigt unsere Untersuchungen und Empfehlungen, diesen Aspekt des Trainings und der Mineralergänzung nicht zu vernachlässigen. Der obige Trick ist im Gegensatz zu einer langfristigen Verbesserung der Mineraldepots im Körper und dem Trainieren der Enzymsysteme nur sehr kurz wirksam und den Kontrolleuren bestens bekannt. Und nicht vergessen
Sinnvolles Training
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